Ritterschulung

“Heiligkeit liegt in der gerechten Handlung und dem Mut, dies auch im Namen jener zu tun, die sich nicht selbst verteidigen können.”
Templer-Zitat von 1185

Einführung in die Ritterschulung

Neben der Caritas ist unser zweiter Schwerpunkt die ritterliche Schulung unserer Novizen und Knappen, um sie auf ihre kommenden Aufgaben als Ordensdamen und Ordensritter vorzubereiten und sie auf ihrem individuellen spirituellen Entwicklungsweg zu begleiten. So versuchen wir das künftige Rittertum zu realisieren:

Wir unterwerfen unsere Mitglieder einer Ordensregel, die ihre Eigenschaft als Laien, die häufig Ehegatten, Väter und Mütter sind, weitgehend berücksichtigt.

Wir übertragen ihnen – nach ihren Talenten und Fähigkeiten – Aufgaben im Rahmen der allgemeinen Ziele des Tempelrittertums.

Wir fördern und ergänzen die geistige, moralische und seelische Entwicklung einer jeden Ordensschwester, eines jeden Ordensbruders.

Wir schlagen sie vor zum Ritterschlag und zur liturgischen Investitur, durch die die Kirche ihnen die ritterliche Sendung und die zur Erfüllung ihrer Aufgaben erforderlichen Standesprivilegien erteilt.

Wir festigen sie in dem von ihnen erwählten Ritterstand durch die Verpflichtung ihrer Profess.

Ordensgebet


ORA ET PUGNA ET LABORA

Herr, der Du unsere Herzen zu einem Tempel Deines Heiligen Geistes gemacht hast, lehre uns, Dich im Geiste und in Wahrheit zu verstehen.
Herr, mache uns tüchtig zu allen guten Werken und erwecke uns zu Taten der Liebe durch Deinen Geist und rüste uns aus mit der Kraft des Glaubens der Hoffnung und der Liebe.
Herr, bringe uns zusammen zu Deinem heiligen Tempel, füge uns ein als lebendige Steine, erwecke uns zu wahrer Bruderschaft, da einer dem anderen diene in christlicher Nächstenliebe.
Ewiger Gott, gedenke Deiner armen Ritterschaft vom Tempel in Gnaden.

Herr, wir bitten Dich, öffne die Herzen der Menschen und gebe ihnen Kraft für ein versöhnliches Miteinander aller Völker in Frieden.

Herr führe zusammen, die Du gerufen und erwählt hast, zerbrich die Mauern, die uns trennen, und wehre allen, die Unfrieden stiften.

Herr, gib uns Kraft und Gelingen zum täglichen Werke, gib uns Geduld und Treue und hilf, dass wir uns bewähren als Ritter Deines Tempels und Streiter für Deinen Namen und Deine unvergängliche Wahrheit.

Nicht uns Herr, nicht uns, sondern Deinem Namen gebührt die Ehre. Amen!

Templerische Tugenden

Fragte man mich heute, warum ich Templer geworden bin, hätte ich wahrscheinlich große Mühe meine Antwort auf den Punkt zu bringen. Vielen Menschen fehlen heute Respekt und Höflichkeit gegenüber anderen Menschen, Tieren, der Natur. Doch ein Ordensritter sollte über weitere Qualitäten verfügen. Aus diesem Grund habe ich einmal – auf Grundlage der „Ritterlichen Tugenden“ – meine Antwort schriftlich zusammengefasst. Die nachfolgenden Überlegungen sind keineswegs übertragbar, denn jeder Templer muss sich selbst nach den Idealen fragen, nach denen er bereit ist zu leben, und er kann sich entsprechende Fragen nur selber beantworten.
Ich, als Templer, orientiere mich auch – und gerade heute – an den ritterlichen Idealen, wie sie im Mittelalter geprägt und ausgeformt wurden.
Meines Erachtens nach sind die Grundlagen ritterlichen Denkens und Handelns folgende wesentliche Ideale:

– der Dienst am Herrn
– der Dienst am Glauben

– der Dienst an der Frau.

Die Leitbegriffe dieser Ideale sind Tugenden zu denen es jeweils gegensätzliche Untugenden bzw. Laster gibt, die natürlich tunlichst vermieden werden sollten.

Betrachtung dieser Grundwerte und des Versagens:

Beständigkeit
(mhd stæte): Verlässlichkeit

Die Beständigkeit beeinflusst alle anderen Tugenden und bedeutet Berechenbarkeit in den Handlungen und das Festhalten am rechten Verhalten und Glauben, aber auch Vertragstreue.
Ein Templer steht zu dem, was er denkt und (zu)sagt. Man kann sich immer auf ihn verlassen. In unverschuldeten Fällen sorgt er unverzüglich für die bestmögliche Alternative.

Laster: Unbeständigkeit (unstæte)
Verhalten, welche sich nicht in die moralische Vorstellung vom ehrenvollen Leben einordnen lassen. Sie sind dem „Verrat“ verwandt.
Heutige Agonisten denken nur an sich und handeln nur für sich. Soziale Verantwortung, Gemeinschaftssinn, Nächstenliebe und Barmherzigkeit sind ihnen Fremdwörter. Zusagen werden nicht eingehalten. Sie brechen Verträge und lügen, um persönliche Bereicherung zu erreichen und ihr Ego zu befriedigen.

Ehre
(mhd êre): Ansehen, Geltung, Würde

Ehre gewinnt man stets zuerst durch Ehrlichkeit. Erst danach bedeutet Ehre gesellschaftliches Ansehen durch körperliche und/oder geistige Fähigkeiten und bestimmt das Sozialprestige des Charakters. Ehrgefühl wird durch immer liebevolle, wenn nötig durch strengere Erziehung vermittelt. Diese o.g. Fähigkeiten bestimmen die Funktion des Templers in der Gesellschaft. Er sollte immer bemüht sein, sich auch beruflich für soziale Zwecke einzusetzen, denn nur durch uneigennützigen Dienst in der Gesellschaft wird ihm Ehre und Respekt zuteil – Werte, die man sich immer verdienen muss. Ehre und Respekt des einzelnen Templers bestimmen auch, inwieweit die Gesellschaft Verpflichtungen ihm gegenüber hat – auch wenn er sich niemals darauf verlässt. Grundlage der Ehre sind persönliche Eigenschaften, wie z.B. der fromme Wunsch nach einer intakten, liebevollen Herkunft (worauf man leider keinen Einfluss hat. Da wir in unserer Gesellschaft nur noch zwei Stände kennen – arm oder reich – ist es ziemlich egal, aus welchem Elternhaus wir kommen. Die Anlage zur Ehrbarkeit ist somit erst einmal jedem Menschen gegeben und keinesfalls ein Geburtsrecht nur für reiche (Geld-) Adelsfamiliensprösslinge, auch wenn dies manche Menschen glauben mögen), Rechtgläubigkeit, die Fähigkeit zur uneingeschränkten Liebe zu Gott, den Mitmenschen, den anderen Kreaturen und zur Natur sowie dem Bemühen, ständig an sich und seinen Schwächen zu arbeiten, um Vollkommenheit zu erreichen. Der Templer weiß, dass er nur sich selbst verändern kann – so strebt er danach, vorbildlich zu leben, um anderen ein gutes Vorbild zu sein.
Der Templer liebt auch seine Feinde und gibt immer eine zweite, falls nötig eine dritte Chance. Er verzichtet darauf, sich einen in seinen Augen unfairen Vorteil zu verschaffen. Er nutzt eine Notlage nicht aus und vermeidet es, andere zu übervorteilen.

Laster: Schande
Es handelt sich um einen Zustand des gesunkenen Ansehens und des beschädigten Rufes, also um die Sicht- Denk- und Handlungsweise der egoistischen Antagonisten in Wirtschaft, Politik und Kirche (ich unterscheide hier sehr bewusst zwischen Religion und Kirche! Priester – egal in welchem Rang – sollten m.E. Seelsorger sein und weder Juristen, noch „Gemeinde-Manager“). Sie verpassen keine Gelegenheit, unehrenhafte Dinge zu tun, mit unehrenhaften Leuten oder mit denen zweifelhaften Rufes zusammen zu kommen, um korrupten Handel zu treiben, um alleine sich zu „profilieren“ und zu bereichern.

Maßhaltung
(mhd mâze): maßvolles Leben,Zurückhaltung, Mäßigung der Leidenschaften

Sie ist eine zentrale ritterliche Tugend und steht über allen Tugenden. Sie bedeutet „rechtes Maß zu halten“ und den Mittelweg (die rechte Balance) zwischen Exzess, Übertreibung und Passivität zu finden. Nur durch Maßhaltung wird richtiges, gutes Leben und Handeln erreicht.

Laster: Maßlosigkeit (unmâze) , mangelnde Selbstbeherrschung. Die Maßlosen raffen ständig und überall nach Sattheit, Geld und/oder Titeln. Sie sind die Ersten am Buffet und dort, wo es etwas umsonst gibt. Sie sind aber auch immer gerne bereit, jeden Preis zu bezahlen, wenn es der eigenen „Erhöhung“ dient.

Zucht
(mhd zuht): Anstand, Wohlerzogenheit

Sie ist Bestandteil der guten Erziehung, bedeutet Selbstbeherrschung und Moderation im eigenen Verhalten und ermöglicht erst das Zusammenleben mit anderen in der Klausur und in der Gesellschaft. Zucht hat in diesem Sinne nichts mit Züchtigen zu tun, zumal es dem Templer bereits nach der alten Regel (von 1128!) untersagt ist, ihm Untergebene zu züchtigen.

Laster: Unzucht (unzuht), ist heute ausschließlich sexuell belegt, meint aber hier ungezogenes Verhalten und ist ein Kennzeichen antisozialer Handlungsweise. Durch ungezogene Gestik, unangemessen lautes Lachen oder unüberlegte Sprache disqualifizieren sich heutige „Führungskräfte“ stets selber. (Heute findet der Begriff „asozialer Proll“ in anderer Form Verwendung, zur Kennzeichnung von gesellschaftlich destruktivem Verhalten gänzlich anderer Art, nämlich durch Menschen an der Spitze der Gesellschaft, die sich gegenüber dem Allgemeinwohl, ihren Mitarbeitern, ihren Kunden, ihren Wählern etc. un-sozial verhalten. Um diesen Sachverhalt besonders zugespitzt zu verbalisieren, wird das Verhalten dann asozial genannt mit anderer Betonung (auf der ersten Silbe): „a-sozial“!). Man erkennt sie am ehesten daran, dass sie „Wasser predigen und selber Wein saufen“ (um nur ein Beispiel zu nennen).

Interaktive Tugenden: 
Demut und Dienstbereitschaft 
(mhd diemüete, mhd dienest)

Demut ist hier im Sinne von dem „Mut zu Dienen“ gemeint, völlig unabhängig von der eigenen Position und Dienstbereitschaft, sowie von Loyalität gegenüber den Vorgesetzten oder der Kirche, aber auch gegenüber Frauen, zum Schutz der Armen oder Machtlosen.
Templer wenden sich immer tätig gegen offenbartes Unrecht und sagen offen ihre durchdachte Meinung.

Laster: Verrat (verrât), d.h. Verweigerung des Dienstes.

Höflichkeit
(mhd höveschkeit)

Dieser Begriff definiert das Verhalten bei jeder Begegnung mit einem Mitmenschen und bedeutet feine Manieren und gesitteter Umgang, besonders mit Frauen und Kindern.
Der Templer ist in seinem Benehmen eher zurückhaltend und in keiner Weise auftrumpfend. Besondere Ehrerbietung genießen Geistliche und Frauen im Allgemeinen.

Laster: Rüpelhaftigkeit (dörperheit), unkontrolliertes Benehmen, Fresssucht, Ausschweifungen aller Art. Häufig bei Betriebsausflügen großer Unternehmen zu beobachten, auch bei Landsleuten im Ausland.

Milde
(mhd milte): Freigiebigkeit, Barmherzigkeit, Großzügigkeit

Ein Templer gibt freigiebig an in Not Geratene, was er geben kann. Die vielleicht schwierigste Gratwanderung hier liegt darin, dass der Ritter sich 1.) nicht mit dem Armen gemein macht, sondern edle Distanz wahrt und zugleich 2.) nicht herablassend oder herrisch auftritt. Freundlicher Gleichmut, die in der Ausübung der Caritas die Umsetzung sowohl göttlichen Gebotes als auch des eigenen Selbstverständnisses verwirklicht, ist der Grundton seiner barmherzigen Handlungen.

Laster: Geiz (erge) (Egoismus): Bedeutet hier den Hang zum Raffen und Horten, um ganz alleine über den zusammen getragenen Reichtum zu verfügen. In der Folge lässt Geiz den Charakter allein dastehen, d.h. Agonisten erfahren selbst keine Unterstützung mehr.

Treue
(mhd triuwe): Loyalität, Aufrichtigkeit

Sie ist eine zentrale Tugend für Templer. Sie beschreibt Loyalität und auch das Einhalten von Versprechungen und Hilfsverpflichtungen gegenseitiger Art oder gegenüber der übergeordneten Instanz. D.h. der Templer ist sich in erster Linie selbst treu, steht treu zu seinen Überzeugungen und er übt stets Treue in seinem Glauben, um so auch treu anderen gegenüber zu sein.

Laster: Untreue (untriuwe, zwîvel), ist ein mieses Übel, denn dazu zählen auch Eifersucht, Missgunst und Neid, die allesamt das menschliche Zusammenleben gefährden. Man sollte sich stets aufeinander „blind“ verlassen können.

Personenbezogene Tugenden:
Arbeitsamkeit
(mhd arebeit): Fleiß

Sie beinhaltet die ständige Bereitschaft zu lebenslangem Lernen, zur Weiterbildung und Verbesserung der Qualifikationen. Das ist heute häufig problematisch, da ein arbeitsamer und nach den anderen hier genannten Tugenden lebender Templer nur sehr schwer eine angemessene Anstellung finden kann. Mögliche Positionen werden meist mit unqualifizierten Personen besetzt, weil diese durch enge Raster passen und billiger sind.

Laster: Trägheit (trâcheit), Faulheit, Unfähigkeit – fehlende Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung und tätiger Mitarbeit.

Edler Stand
(mhd art)

Ein Templer adelt sich alleine durch sein Denken, Sprechen und Handeln auf Grundlage des Lebens nach den ritterlichen Tugenden. Heute ist ursprünglich jeder Mensch erst einmal adlig, bevor er durch falsche Erziehung und anderen „sozialen“ Einflüssen verdorben wird.

Laster: Unedler Stand (unart), unedle Herkunft, d.h. aus Familien stammend, die in der Gegenwart durch fehlende Gottgläubigkeit und die falsche Wirtschaft/Politik überflüssig geworden zu sein scheinen. Assoziationen mit schlechtem Charakter und gar Hässlichkeit erscheinen nicht mehr als gegeben, da sich Kinder solch einen unedlen Stand selten aussuchen dürfen. Dieses Laster lässt sich überwinden durch Zuwendung an Gott und geeignete Therapien.

Guter Mut
(mhd hôher muot): seelische Hochstimmung

Er beschreibt das Selbstbewusstsein insbesondere des Templers, den Stolz auf seine persönliche Tüchtigkeit, die Liebe zum Leben. Er entwickelte sich aus dem Kriegerethos. Das Zeigen des guten Mutes auf Festen und Kapiteln und nicht mehr auch in Schlachten überträgt sich gerne auf die Anderen. Dazu führt ein durch nichts zu erschütternder Glaube. Ein Templer ist kein Nihilist oder Agnostiker: Er glaubt an einen dreifaltigen Gott und an eine gottähnliche Maria, sowie an seinen moralischen Kodex und versucht diesen innig zu leben.

Laster: Trauer (trûren) (Depression), ein Zustand des Klagens, sowie das Zeigen schlechter Befindlichkeiten, aber auch Zustand der verletzten Ehre. Heute hervorgerufen durch das Leben in ständiger Angst (keine Furcht!) vor dem Verlassenwerden, vor dem Jobverlust, etc.. Hier ist nicht die Rede von der Trauer um einen verstorbenen Menschen!

Lebensfreude
(mhd vröude, frôude)

Mannhaftigkeit
(mhd manheit): Kampfesmut, Tapferkeit

Beschreibt kriegerische Tüchtigkeit und Kühnheit, sowie Todesmut im Kampf unter Einsatz des eigenen Lebens. Ein Templer heute ist ein „Kämpfer in Friedenszeiten“, der durchaus noch über o.g. Eigenschaften verfügt. Unser Kampf heute wird treffend als „Kreuzzug der Liebe“ bezeichnet und unser heutiges Schwert ist das Wort. Der Templer hat Respekt vor Gefahren und verachtet die Angst.

Laster: Zaghaftigkeit (zageheit), Feigheit im Leben und vor dem Leben, aber auch Angst vor materiellem Verlust, Angst vor Verletzung, Angst generell.

Schönheit
(mhd schAne)

Gemeint ist ausschließlich die innere Schönheit des Herzens. Sie wird durch ein ehrliches Lächeln zum Ausdruck gebracht. Ein Templer ist authentisch.

Laster: Hässlichkeit (unschAne), d.h. eine meist (anfangs) unsichtbare Verunstaltung als Zeichen von Lasterhaftigkeit, daraus resultierender unfairer Handlungsweise, sowie Ausdruck von Falschheit durch Missachtung der Menschlichkeit.

Verstand
(mhd sin)

Er wird von einem Templer erwartet. Bezieht sich auch auf die Kontrolle von Emotionen (was nicht immer leicht fällt).

Laster: Torheit (tôrheit, tumpheit, närrescheit), Dummheit ist der Feind aller anderen Tugenden. Sie bedeutet Verlust der Selbstkontrolle, aber auch mangelnde Reife – ist also mit zunehmenden Alter durchaus heilbar (natürlich nicht bei Demenz).

Reichtum

Gemeint ist innerer Reichtum und Wohlstand, der durch ein Gott wohlgefälliges Leben erfahrbar werden kann. Die Grundlage für gesellschaftliches Ansehen und für einen angemessenen Lebensstandard, erfordert nach wie vor einen gut bezahlten Job.

Unser Ehrencodex

Ein Tempelritter sollte:

– ritterliche Traditionen am Leben erhalten.

– seinen Mitbruder mit der respektvollen Bezeichnung „Frater“ ansprechen.

– einem Mitmenschen, ob Freund oder Feind stets die Gastfreundschaft anbieten.

– einen Knappen aufnehmen und ihn gemäß der templerischen Tradition ausbilden.

– einem verfehlenden und zweifelnden Ordensbruder zur Seite stehen und ihn auf seinem Weg begleiten, solange dies nötig ist.

– sich seine Fehler eingestehen und wenn er einen Fehltritt begeht, diesen unverzüglich tilgen. Er soll alles daran setzen, künftig diesen Fehler zu vermeiden.

– keinem Menschen in Spott oder Schande begegnen.

– jeden Menschen menschenwürdig behandeln.

– die Regeln seines Ordens achten und versuchen danach zu leben.

DER PILGERSCHUTZ

„Wenn du voller schlechter Gedanken bist, so bleibst Du doch weit von Christus entfernt, auch wenn Du nach Golgotha, zum Ölberg oder zur Auferstehungsstätte pilgerst“
Gregor von Nyssa, Bischof und Kirchenvater, * um 335/340; † nach 394

Zur Geschichte des Pilgerns

Ein Pilger ist einer, der „per agrum“, also von „über Land“, von jenseits des ager „romanus“ kommt, wobei mit ager nicht unser Acker, eben bebautes Feld gemeint ist, sondern das in Besitz befindliche, zur Civitas gehörige Land. Insofern ist Fremdling eine angemessene Übersetzung des Begriffes.

Wallfahrten sind im gewissen Sinne seit der Steinzeit bekannt, wobei unter anderem bestimmte Höhlen oder Plätze als heilige Orte angesehen wurden. In der Antike war einer der berühmtesten Wallfahrtsorte Griechenlands der Tempel der Artemis in Ephesos.
Einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte der Welt ist seit dem Bau des ersten israelitischen Tempels bis heute Jerusalem, das zum zentralen Heiligtum der Juden wurde. Heute ist die Stadt allen drei monotheistischen Weltreligionen heilig: den Juden ebenso wie den Christen wegen Tod und Auferstehung Jesu Christi, die Muslime besuchen – außer ihrer Hadsch genannten Wallfahrt nach Mekka und Medina – bevorzugt den Felsendom in Jerusalem.

Seitdem im 4. Jahrhundert sich die Kunde verbreitete, Kaiserin Helena habe in Jerusalem, der Stadt, in der Jesus lebte, die Kreuzreliquien aufgefunden, mehrten sich die Wallfahrten nach Jerusalem. Dazu gehörten auch viele Frauen wie die geweihte Jungfrau Egeria, die vornehme Römerin Paula mit ihrer Tochter, der Jungfrau Eustochium, die zum Kreis um den heiligen Hieronymus gehörten, sowie die heilige Melania und ihre Großmutter gleichen Namens.

Die früheste schriftlich dokumentierte Reise eines christlichen Pilgers ins Heilige Land führte im Jahre 333 über den Landweg von Bordeaux nach Jerusalem; sie ist festgehalten im Itinerarium Burdigalense, einem auf Latein verfassten Reisehandbuch mit Angaben der Etappen auf dem Weg. Eine ähnlich große Bedeutung erlangte sehr bald Rom als Grabstätte der Apostel Petrus und Paulus. Später kam Santiago de Compostela hinzu, das vor allem wegen der ausgezeichneten Infrastruktur mit einem von Klöstern betreuten weitgespannten Herbergennetz im Mittelalter führend wurde.
Auch die Teilnehmer der Kreuzzüge ins Heilige Land verstanden sich selbst als (bewaffnete) Pilger.

Der Pilgerschutz durch den Ordre Du Temple

In der Zeit nach dem ersten Kreuzzug (1096–1099) war Jerusalem ein Anziehungspunkt für viele Pilger und Abenteurer aus Europa. Kurz nach dem ersten Kreuzzug stand der Seeweg offen. Die Straßen von der Küste ins Landesinnere waren jedoch sehr unsicher.
Die zahlreichen Pilger in den bergigen Regionen der Strecke von Jaffa über Ramla nach Jerusalem zogen Wegelagerer an.

Der Großteil des Kreuzritterheeres war nach Europa zurückgekehrt, weshalb kaum Schutz vor Überfällen bestand. Es waren Hugo von Payns, Gottfried von Saint-Omer und sieben weitere französische Ritter, die daher einen Orden gründeten, dessen Aufgabe es sein sollte, die Straßen des Heiligen Landes für die christlichen Reisenden zu sichern. Diese willkommene, neue Aufgabe – der bewaffnete Pilgerschutz – verhalf den Männern zur Unabhängigkeit von den Sepulcrinern (den Kreuzherren mit dem doppelten roten Kreuz) unter deren Führung und Obhut sie bereits seit 1114 standen. Dies ist der einzige Grund, warum noch heute manche Templervereinigungen das  doppelte rote Kreuz auf der linken Schulter ihrer weißen Mäntel tragen, so ist es doch im Prinzip das ursprünglichste Ordenskreuz der ersten Tempelherren. Die Ritter legten vor dem Patriarchen von Jerusalem ein Ordensgelübde ab. Neben den „klassischen“ Gelübden, die sich auf Armut, Keuschheit und Gehorsam bezogen, verpflichteten sich die Ordensbrüder nun zudem, den Schutz der Pilger sicherzustellen. Nach der erfolgreichen Reconquista und Repoblación (Rückeroberung und Wiederbesiedlung) übertrug man den im Heiligen Land bewährten Pilgerschutz durch die Tempelritter auch auf die Iberische Halbinsel.

So ist es nicht verwunderlich, dass auch wir es uns zur ersten Pflicht gemacht haben, die Pilger unserer Zeit zu begleiten, zu versorgen, zu beschützen – auf ihrem äußeren sowie auch ihrem inneren Pilgerweg.

Der Pilgerschutz durch den Ordre Du Temple in Deutschland

Die Geschichte der geistlichen Ritterorden und der Kreuzzüge hat einen gesamteuropäischen Charakter, der durch die Auseinandersetzung mit dem Islam zugleich über den europäischen Kulturkreis hinaus verweist. Zudem stehen die Beschäftigung mit den Kreuzzügen und den Ritterorden in einem internationalen Beziehungsgeflecht, insofern die mit ihrer Geschichte verbundenen aktuellen Probleme – von der Nahost-Krise bis zur europäischen Integration zunehmend an Bedeutung gewinnen.

So verstehen wir auch heute unter dem Begriff Pilgerschutz Auftrag und Chance für ein friedvolles Nebeneinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religionen und Kulturen. Wir bemühen uns auf einem Kreuzzug der Liebe um Akzeptanz – nicht um Toleranz – und unsere künftigen Häuser sollen immer auch offene Stätten der Begegnung sein, in denen man harmonisch zusammen kommen kann, um miteinander in Frieden zu leben und sich an Kunst, Kultur und Unterhaltung zu erfreuen und genau dies wäre für unser Verständnis eine gelungene Integration.

Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.
Johann Wolfgang von Goethe


Nach Süden orientiert, wie alle Karten Etzlaubs. Mit dieser Karte hätten wir heute sicher große Orientierungsschwierigkeiten

Die Via Romea

Als Via Romea, auch Romweg wird ein Weg bezeichnet, den Abt Albert von Stade im Jahre 1236 von Stade kommend auf einer Pilgerreise zum Papst nach Rom und zurück ging.
In seinen Reiseaufzeichnungen „Das Stader Itinerar“ hinterließ er den nachfolgenden Generationen eine detaillierte Beschreibung des Weges. Aufgrund dessen kann der Verlauf der Route rekonstruiert werden.
In Deutschland liegen die Pilgerorte: Stade, Celle, Edemissen, Braunschweig, Hornburg, Wernigerode, Hasselfelde, Nordhausen, Bad Langensalza, Gotha, Schmalkalden, Meiningen, Bad Neustadt, Münnerstadt, Schweinfurt, Würzburg, Ochsenfurt, Aub, Rothenburg ob der Tauber, Dinkelsbühl, Marktoffingen, Donauwörth, Augsburg, Igling, Schongau, Oberammergau, Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald. In Österreich liegen die Pilgerorte: Zirl, Innsbruck und Matrei. In Italien liegen Pilgerorte: Sterzing, Brixen, Bozen, Trient, Padua, Venedig, Ravenna, Forlì, Arezzo, Orvieto, Viterbo und schließlich Rom.
Der Wernigeröder Historiker und Amtsgerichtsrat Walther Grosse schrieb anlässlich der 700 Jahrfeier der Stadt Wernigerode 1929 das Buch „Geschichte der Stadt und Grafschaft Wernigerode“. In diesem Buch schreibt er: „Durch das Wernigeröder Mühlental führte die bereits in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts von Albert von Stade erwähnte hochwichtige Verkehrsstraße, die Italien und Tirol mit der Niederelbe und dem skandinavischen Norden verband und den Harz von Nordhausen über Hasselfelde nach Wernigerode überschritt“.

In Hornburg wird der Abt an der Marienkapelle (heute: Marienkirche) gebetet haben, bevor er die Wasserstraße Richtung Braunschweig weiterzog. An der Mühlenilse steht die Katholische Papst-Clemens-Gedächtniskirche. Dort gibt es ein Heimatmuseum, in dem sich ein Papst-Clemens-Gedächtnisraum befindet.
Dieser Weg ist nicht identisch mit dem ebenfalls oft auch als „Via Romea“ bezeichneten Via Francigena.

Der Camino de Santiago
Unter dem Zeichen der Jakobsmuschel

In Deutschland begann die Ausweisung von Wegen erst 1992, als der evangelische Pfarrer Paul Geißendörfer zusammen mit sechs Jakobusgemeinden einen Pilgerweg von Rothenburg ob der Tauber nach Nürnberg realisierte.
Als Referenzprojekt für eine entsprechend den Bestimmungen des Europarats historisch genaue Route gilt der Pilgerweg von Nürnberg über Ulm nach Konstanz, der zwischen 1995 und 1999 nach zwei Berichten spätmittelalterlicher Jakobspilger in enger Anlehnung an den Verlauf einer Reichsstraße erarbeitet wurde. Seit 1999 erarbeiten die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe das Projekt Wege der Jakobspilger im Rheinland und in Westfalen. In den neuen Bundesländern entstand 2003 als erste Route der Ökumenische Pilgerweg im historischen Verlauf der Via Regia von Görlitz nach Vacha. Seit 2005 werden die „Wege der Jakobspilger in Norddeutschland“ mit den beiden Hauptstrecken Via Baltica von Usedom nach Osnabrück und Via Jutlandica von Frederikshavn nach Glückstadt, letztere in dänisch-deutscher Zusammenarbeit, erarbeitet.
Für uns interessant ist die Tatsache, dass der Jakobsweg auch über Braunschweig, Magdeburg, Berlin, Stettin nach Danzig führt und somit die Via Romea in Braunschweig kreuzt.

Wallfahrtsort im Elm
Königslutter

Die Stadt liegt mitten im Naturpark Elm-Lappwald und an der Nord-Ost-Seite des bewaldeten Höhenzugs Elm. Die nächsten größeren Städte sind Braunschweig etwa 23 km westlich, Wolfsburg etwa 20 km nördlich und die Kreisstadt Helmstedt liegt etwa 15 km östlich von Königslutter. Durch Königslutter führt auch die Deutsche Fachwerkstraße.

Um 1200 entstand eine Wasserburg im Bereich des heutigen Amtsgerichtes. 1318 wurde das Dorf Lutter Marktflecken unter der Bezeichnung „forum Luttere“ und erhielt von den Braunschweiger Herzögen um 1400 die Stadtrechte verliehen. Zwischen dem Stift mit dem Kaiserdom und dem Dorf gab es die Ansiedlung Oberlutter. Die günstige Verkehrslage an der Handelsstraße Braunschweig-Magdeburg (der heutigen B 1), der Elmkalksteinhandel, die Wallfahrten zum Kaiserdom und das Duckstein-Bier haben die Entwicklung Königslutters begünstigt. 73 Brauhäuser waren berechtigt, das obergärige Weizenbier mit dem kalkhaltigen Bachwasser der Lutter zu brauen. Viele der alten Fachwerkhäuser sind heute aufgrund ihrer geräumigen Diele und großen Gewölbekellern als frühere Brauhäuser zu erkennen. Duckstein-Bier wurde in großen Mengen in die Städte Magdeburg, Halle, Leipzig, Berlin, Hamburg, Kassel und auch bis in die Niederlande exportiert. Sehr geschätzt wurde es am Hof des preußischen Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I..

In unmittelbarer Nachbarschaft liegt die Gemeinde Süpplingenburg, wo sich die erste und letzte Templerkomturei in Deutschland befand. Sie konnte bis 1357 (!) von Tempelrittern gehalten werden, bevor sie in den vollen Besitz der Johanniter kam.

Die innere Pilgerreise
… ein neuer Weg, eine innere Pilgerschaft, die unser ganzes Leben ändert!

Doch die längste Reise ist die Reise nach innen. Ja, wir sind unterwegs. Unser ganzes Leben ist Unterwegs-Sein, vorwärts kommen, tiefe Täler durchwandern, Berge überqueren, Schritt für Schritt. Wir alle sind Wanderer, keine Angekommenen. Die innere Pilgerreise haben wir angetreten, wir sind aufgebrochen. In einer Pilgerherberge auf dem Jakobsweg steht im Gästebuch:
Ein Pilger sollte Durst haben. Durst nach Gott, Durst sich selber zu erkennen, Durst nach den andern … das bringt uns auf den Weg“.
Und so sind wir auf der Reise. Oft mit blutigen Füßen, aber doch Schritt für Schritt.
Wir, die Leute vom Tempel möchten gerne Eure Weggemeinschaft sein und auch ein Wanderstab, der Euch Halt gibt, denn die Lehre vom Tempel kann und will diesen Durst stillen.

Das Internet des Mittelalters

Die Pilgerwege waren so etwas wie ein „Internet des Mittelalters“. Heute erhalten Sie ungefähr 989.000 Ergebnisse für den Suchbegriff „pilgern“ in nur 0,10 Sekunden. Aber keine dieser Seiten kann Ihnen auch nur einen Schritt ersparen, denn Sie werden Ihren Pilgerweg selber gehen müssen. 

Das Pilgerheim

In Nordeuropa waren die Gaststätten und Herbergen noch im Mittelalter ausgesprochen primitiv. Statt Betten lagen einfache Strohlager aus, die oft von Ungeziefer wimmelten. Oft teilten sich mehr als zehn Fremde ein gemeinsames Lager und rückten in kalten Nächten eng zusammen, um sich zu wärmen. Adelige Reisende und die gehobene Bürgerschaft suchten solche Herbergen nicht auf. Sie kamen in Klöstern unter oder residierten standesgemäß bei befreundeten Familien. Mit Ihrer Hilfe kann es gelingen, eine für jeden Pilger komfortable Pilgerherberge in einem Ordenshaus zu schaffen, auszustatten und zu betreiben.


„Europa ist auf der Pilgerschaft geboren, und das Christentum ist seine Muttersprache“ Johann Wolfgang von Goethe

Non Nobis ☩ Domine ☩ Non Nobis ☩ Sed Nomini Tuo Da Gloriam

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