LEGENDEN

Tempelrittersagen über die Johannisnacht
Verbascum chaixii – die Königskerze

Die letzte Dämmerung gerade versunken, ist es endlich Nacht über der Oder, doch der Mond steht hoch über den Zelliner Bergen. Sein fader Schein liegt auf der Landschaft und die weißen Mäntel einer Ritterschar leuchten über dem Hügel aus einem Meer von Königskerzen. Die Männer tragen die roten Kreuze des Templerordens und warten auf ihren Meister. Um Mitternacht steigt er aus seinem Sonnenburger Grabe und eilt zu den Seinen. Trifft er ein, so zieht er sein Schwert gegen Jerusalem und die Ritter sprengen davon ins Heilige Land und sind verschwunden, noch vor dem Licht des Johannistages. So geht die Sage über Friedrich von Alvensleben, den letzten Ordensmeister der Templer in dieser Region (nach Leisering).

Eine andere Version dieser Sage lautet wie folgt: In der Johannisnacht sieht noch heute der märkische Landmann die Templer sich versammeln; überall, wo eine Königskerze steht, steigt ein Templer aus seinem Grabe, Friedrich von Alvensleben schwingt sein Schwert, und unter seiner Führung jagen sie dem Heiligen Lande zu, bis der Aufgang der Sonne sie in ihre Gräber zurückscheucht. Ein halbes Jahrtausend ist dahingerauscht, unvergessen aber sind in Mark Brandenburg Friedrich von Alvensleben und der Templer rotes Kreuz (Hesekiel, S.352).

Zellin (polnisch: Czelin) liegt am östlichen Oderufer, nordwestlich von Küstrin.
Quellen: Peter Leisering: Tempelritter in der Mark. In: Die Mark Brandenburg, Heft 16 (1994) – Ritterorden und Ordensritter in der Mark Brandenburg.
Ludovica Hesekiel: Templer und Johanniter. Roman, Hamburg, 1931, S.352.
Reimar v. Alvensleben: Friedrich v. Alvensleben – Letzter Präzeptor von Alemanien und Slawien. 1. Auflage 2008

Tabula Aurea Charta Transmissionis
– Die Charta des Larmenius –

Sie war für die Neotempler um Bernard-Raymond Fabré-Palaprat die bedeutendste Urkunde, denn sie trug die Jahreszahl 1324 und sollte vom unmittelbaren Nachfolger Jacques de Molays stammen.
Außerdem hatten alle geheimen Großmeister von 1324 bis 1792 die »Charta Transmissionis« eigenhändig unterzeichnet.
Ist diese „Charta des Larmenius“ nun echt oder eine Fälschung? Machen Sie sich selbst ein Bild davon.

Eine etwas andere Gründungsgeschichte

Die Begründer eines neuen »Inneren Ordens« waren drei Freimaurer: der Arzt Ledru, der Notariatsangestellte de Courchamp und ein gewisser de Saintot. Sie berichteten, dass Bruder Radix de Chevillon sie am 10. Juni 1804 zusammengerufen habe, um ihnen die Vollmachten auszuhändigen, die er 1792 vom letzten Großmeister des Templerordens, dem Herzog Timoleon de Crosse-Brissac erhalten haben wollte. Dieser habe sich, als er sein Ende nahen fühlte, »tugendhaft und treu wie Jacques de Molay, aus seiner unbeschränkten Machtvollkommenheit heraus einen Nachfolger erwählt«. Die revolutionären Wirren aber hätten Chevillon daran gehindert, sich mit seinen in alle Welt verstreuten und verfolgten Untergebenen in Verbindung zu setzen, und jetzt, da die staatliche Ordnung wieder hergestellt sei, könne er aufgrund seines hohen Alters und seiner Gebrechlichkeit weder seine hohen Ämter ausfüllen noch den in tiefem Schlaf befindlichen Orden wieder zum Leben erwecken. Daher habe er seinen drei Vertrauten die Würde von »Ordensfürsten« übertragen, Ledru zum Generalstatthalter von Afrika ernannt, de Saintot das gleiche Amt für Asien übertragen und de Courchamp zum »Großpräzeptor« bestimmt. Außerdem habe er ihnen Dokumente ausgehändigt, aus welchen die Authentizität des neuen Templerordens hervorgehe.

Diese Sammlung von Dokumenten bestand erstens aus den Protokollen zahlreicher geheimer Zusammenkünfte, zweitens aus dem »Archetypus«, der 1705 revidierten Statuten, einer 27seitigen, mit »Philippus Aurelianensis« unterzeichneten Handschrift in Folioformat, mit Goldschnitt und in karmesinroten Samt eingeschlagen, sowie drittens aus der »Charta Transmissionis« oder »Tabula Aurea«. Dies war die bedeutendste Urkunde; sie sollte vom unmittelbaren Nachfolger Jacques de Molays stammen, trug die Jahreszahl 1324, war »in Hieroglyphen auf einen ungewöhnlich großen Pergamentbogen geschrieben mit gotischen Architekturzeichnungen, mit Blumen, silbernen und farbigen Buchstaben verziert, und an pergamentartigen Schnüren war das Siegel des Ordens befestigt. Außerdem hatten alle geheimen Großmeister von 1324 bis 1792 die »Charta Transmissionis« eigenhändig unterzeichnet.

Es erübrigt sich, nach dem Urheber dieser apokryphen Dokumente zu forschen, denn aus einer Denkschrift, die Clavel von dem englischen Truppenarzt Morison of Greenfield, einem Mitglied des Ordens, erhielt, geht unzweifelhaft hervor, welch betrügerischer Praktiken sich Ledru bediente, und den drei Urkunden wird ein wenig wahrscheinlicher Ursprung zugeschrieben. Ledru, so hieß es, sei früher der Hausarzt der Familie Cosse-Brissac gewesen, und er habe bei der Versteigerung der Möbel des Herzogs einen Sekretär erstanden, in dem er die Dokumente fand, von denen er 1804 behauptete, er habe sie von Radix de Chevillon erhalten. Der wahre Erneuerer des Templerordens sei Philippe d’Orleans gewesen; dieser habe sich daran erinnert, dass sich 1682 in Versailles ein Geheimbund den Namen »Kleine Auferstehung der Templer« gegeben und sokratischen Lebenswandel gepredigt habe. 1705 habe Philippe zusammen mit den ehemaligen Angehörigen des vor 23 Jahren aufgelösten Bundes eine neue Geheimgesellschaft gegründet, »die sich von ihrem ursprünglichen Ziel abgewandt habe, um sich mit politischen Angelegenheiten zu befassen«. Auf Veranlassung des zukünftigen Regenten, der sich den Titel eines Großmeisters zulegte, habe man die alten Regeln des Templerordens modifiziert, um sie dem aktuellen Stand der gesellschaftlichen Entwicklung anzupassen. Der Jesuit Bonani, ein Verfasser äußerst gelehrter Werke und hervorragender Zeichner, habe die Charta Transmissionis erstellt und sämtliche Unterschriften der sukzessiven Großmeister gefälscht. Man habe zudem eine Zusammenfassung der Ergebnisse zahlreicher Beratungen gefunden und daraus im Nachhinein fiktive Protokolle der Sitzungen zusammengestellt, die man als die bedeutendsten dargestellt habe. Die Nachfolger des Regenten im Amt des Großmeisters hätten jenes Erbe übernommen, und auf diese Weise seien die Dokumente in den Sekretär des letzten Großmeisters, des Herzogs von Cosse-Brissac, gelangt.

Wer auch immer der Urheber dieser Fälschung gewesen und wann sie auch entstanden sein mag, es erscheint zumindest als gesichert, dass Ledru der bedeutendste Vorkämpfer dieses Unterfangens war. Nachdem sich ihm die Brüder de Saintot und de Courchamp angeschlossen hatten und er in der Person Radix de Chevillons einen Strohmann gefunden hatten, bot er diesem den Titel eines Großmeisters an, den er selbst nicht zu übernehmen wagte – Chevillon allerdings sagte lediglich zu, sich als Regent in die Charta Transmissionis einzutragen. Daraufhin zog Ledru vier weitere Brüder ins Vertrauen: Fabre-Palaprat, einen ehemaligen Priesterseminaristen, der sich später der Heilkunst und Fußpflege gewidmet hatte, Leblond, einen Angestellten der kaiserlichen Bibliothek, Arnal, der zur Zeit der Revolution Pfarrer und in der Folge Alteisenhändler gewesen war, und schließlich Beuchot de la Varenne.

Die acht Bundesgenossen versammelten sich am 4. November 1804 zu einem »Generalkonvent« und wählten Fabre-Palaprat für ein Jahr zum Großmeister, in der Erwartung, vor Ablauf dieses Zeitraums doch eine bedeutendere Persönlichkeit für die Übernahme dieses Amtes gefunden zu haben. Daraufhin schrieb sich der kühne Augenoperateur folgendermaßen in die Charta Transmissionis ein: Ego, Bernardus-Raymundus Fabre, Deo juvante, Supremum Magisterium acceptum habui, die quarta novembris 1804. Die imposante Versammlung ernannte de Courchamp zum Generalstatthalter für Europa, und Beuchot folgte ihm in seinem früheren Amt als Großpräzeptor nach. Letzterer wurde gleichzeitig zum Generalstatthalter von Amerika bestimmt, eine Funktion, die ursprünglich Fabre-Palaprat ausgefüllt hatte.

In der Legende vom geheimen Überleben des Templerordens wurde Graf de Beaujeu, der in der alten Version die Hauptrolle gespielt hatte, nun nicht mehr erwähnt, sondern durch einen Unbekannten namens Jean-Marc Larmenius aus Jerusalem ersetzt. Diesen habe Jacques Molay kurz vor seiner Hinrichtung zu seinem Nachfolger bestimmt. Zwar gaben die Neutempler zu, dass die von Jacques Molay unterzeichnete Akte, vermittels der er seine Vollmachten auf Larmenius übertragen habe, verlorengegangen sei, sie sahen den Beweis für diese Übertragung aber in einer Charta erbracht, nach deren Wortlaut Larmenius, humilis magister militiae Templi, 1324 in hohem Alter die Großmeisterwürde einer anderen geheimnisvollen Persönlichkeit, Francois-Thomas-Theobald Alexandrinus, übergeben habe. Dabei habe er entschieden, dass auch die zukünftigen Großmeister der Templer das Recht haben sollten, ihre Nachfolger selbst zu bestimmen, unter der Bedingung allerdings, dass ihre Wahl von einem Allgemeinen Konvent des Ordens bestätigt würde und dass dem Großmeister vier Vikare oder Generalstatthalter zur Seite stünden, die aus der Mitte derjenigen Ritter zu bestimmen seien, die dem Orden schon am längsten angehörten. Die Charta erinnerte daran, dass ein Generalkonvent gegen jene Templer, die abtrünnig geworden seien und sich in Schottland unter dem Banner Robert Bruces versammelt hätten, den Bannfluch ausgesprochen habe. Diese hätten jenem bei der Gründung einer neuen Geheimgesellschaft zur Seite gestanden, die bestimmte Bräuche des Tempelherrenordens nachgeahmt hätten und aus der auch die freimaurerischen Hochgrade hervorgegangen seien, die als »Schottische« bezeichnet würden. Der gleiche Bannfluch sei gegen die »Ritter des Heiligen Johannes«, die man »Malteser« nenne, geschleudert worden, denn sie hätten sich die Schätze des Ordens widerrechtlich angeeignet. Um zu verhindern, dass sich diese falschen Brüder in die Logen der Tempel einschleichen könnten, dürfe man die Erkennungszeichen von nun an nur noch mündlich weitergeben.

Unter den Nachfolgern von Larmenius und Alexandrinus, die sich »allesamt durch ihre Tugenden und hohe Ämter im Staat ausgezeichnet hätten« befanden sich Bertrand Duguesclin (1357), drei Grafen d’Armagnac (1381-1451), Henri de Montmorency (1574), Charles de Valonis (1615), Henri de Durefort, Herzog von Duras (1681), der Herzog von Maine (1724), Henri de Bourbon-Conde (1737) und Francois de Bourbon-Conti (1741).

Eine Charta, die solch illustre Signaturen trug, sowie eine derart prächtig gebundene Sammlung von Statuten stellten einen blendenden Fundus dar, mit dem kein anderes System konkurrieren konnte. Aber auch damit gaben sich Fabre und seine Genossen noch nicht zufrieden. Erst das »Inventar der Heiligen Schatzkammer«, ein Auszug aus der Urschrift des Protokolls, das am 14. Tag des Mondes Tab, im Jahre 692 seit der Gründung des Ordens, am 6. Magistere (dem 18. Mai 1810) angefertigt worden sei, mussten ihrer Ansicht nach die letzten Zweifler überzeugen. Diese Schatzkammer sollte folgendes enthalten: Ein kupfernes Reliquienkästchen in Gestalt einer gotischen Kathedrale, »mit vier in ein leinenes Schweißtuch gewickelten versengten Knochenfragmente, einem Überbleibsel des Scheiterhaufens, auf dem die Märtyrer des Ordens verbrannt worden seien«, ein eisernes Schwert mit einem kreuzförmigen, in einer Kugel endenden Griff, das »wahrscheinlich dem G. M. J. Molay gedient habe«, einen mit einem Visier versehenen eisernen Helm, mit Delphinen verziert und mit Gold ausgelegt, der »vermutlich Guy, dem Dauphin der Auvergne, gehört habe«, einen alten Sporn aus goldüberzogenem Kupfer, einem bronzenem Hostienteller, »in dem eine Hand eingraviert worden war, von deren Fingern nur drei ausgestreckt waren«, einem weiteren Hostienteller aus vergoldeter Bronze, auf dem der Apostel Johannes unter einem gotischen Gewölbe stehend abgebildet war, drei bronzene gotische Siegel in Form von flachen Ovalen von besonderer Größe, die die Statuten als das Siegel des Großmeisters Jean, als das der Kreuzritter und als das des Evangelisten Johannes bezeichneten«, weiterhin ein Bischofsstab aus Elfenbein und drei Mitren, davon eine aus seidenbesticktem Goldstoff und zwei aus perlenbesticktem Silberzeug, »die man bei den Zeremonien des Ordens verwendet habe«, schließlich der mit dem Kreuz des Ordens versehene Rittermantel aus weißer Wolle und die Kriegsflagge, ebenfalls aus weißem Wollstoff mit vielen schwarzen Streifen durchsetzt.

Die Ausgestaltung des Systems wurde 1806 vollendet. Die in lateinischer Sprache abgefassten Statuten waren sehr detailliert – sie bestanden aus 43 Sektionen, deren eine die Ordensregel zur Grundlage hatte, die ursprünglich Bernard de Clairvaux den Templern gegeben hatte. Der Orden setzte sich aus drei Klassen zusammen, aus den »Häusern der Einweihung«, den »Häusern der Postulanten« und den »Konventen«. Den »Häusern der Einweihung« stand ein »Ehrwürdiger Dekan« vor mit einem stellvertretenden »Meister vom Stuhl«, einem Präfekten der Garde und einem Zensor-Almosenier an seiner Seite sowie einem Quästor, einem Zeremonienmeister und einem Sekretär. Die sonstige Mitgliedschaft bestand aus Initiati, Intimi Initiati, Adepti und Orientales Adepti, die den vier freimaurerischen Graden des Lehrlings, Gesellen, Meisters und Schottischen Meisters entsprachen. Sämtliche Angehörige kannten das System ausschließlich als »Orden vom Orient«.
(Quelle: SOC world-journal)

„Die Echtheit der Charta des Larmenius ist zweifelsfrei erwiesen“

Ende März 1705 machte in den Salons von Paris ein aufsehenerregendes Gerücht die Runde: der Templerorden, so wurde gemunkelt, der ja seit nun fast 400 Jahren offiziell gar nicht mehr existierte, soll im königlichen Schloss zu Versailles ein Generalkapitel abgehalten haben.
Die Verwirrung wurde nicht geringer als bekannt wurde, dass dieser Konvent überdies Prinz Philipp, Herzog von Orléans, ein naher Verwandter des ”Sonnenkönigs” Ludwig XIV., zum 41. Großmeister dieses Ordens gewählt hatte.

Bei jenem denkwürdigen Kapitel wurde die älteste Form der Statuten revidiert und handschriftlich auf 27 Seiten aufgezeichnet. Dieses durch Unterschrift und Siegel von Philippus Aurelianus (Philipp von Orléans) bestätigte Dokument ist in einem originalen Kleinfolioband überliefert und befindet sich seit 1871 im Nationalarchiv in Paris.

Als eigentliche Hauptschrift des Ordre du Temple muss allerdings die Tabula Aurea Charta Transmissionis hervorgehoben werden, ein der Forschung schon lange unter der Bezeichnung ”Charta des Larmenius” bekanntes Dokument aus dem Jahre 1324.
In dieser Urkunde wird ein historisch sonst Unbekannter, Johann Marcus Larmenius, als der von Molay bestimmte, unmittelbare Nachfolger für das Amt des Großmeisters genannt. In den nächsten Jahrhunderten wurde besagte Charta von allen nachfolgenden Großmeistern unterfertigt.

Der sagenhafte
Jean-Marc Larmenius
de Jerusalem –
historische Gestalt oder neuzeitliche Erfindung?

Diese Urkunde gilt allgemein als plumpe Fälschung aus dem 18. Jahrhundert, mit deren Hilfe der 1705 an die Öffentlichkeit getretene Ordre du Temple eine lückenlose Fortsetzung des 1312 aufgehobenen Ordens zu konstruieren versuchte, unter Einbindung illustrer historischer Persönlichkeiten als Großmeister in der Nachfolge des Jakob von Molay, ähnlich der Aumont-Legende.
So wurde schon im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts von Gegnern des Ordre du Temple das Gerücht in Umlauf gebracht, jenes Dokument sei von dem Jesuitenpater und Antiquar Bonani im Jahre 1711 gefälscht worden. Manchen Wissenschaftlern genügte diese zeitgenössische Behauptung als ”eindeutiger Beweis” der Unechtheit. Sie übersahen dabei allerdings geflissentlich, dass die Charta bereits 1705 vorgelegt worden war, sechs Jahre vor dem Datum ihrer angeblichen Herstellung!

Auch in der gegenwärtigen Templerliteratur wird dieser Standpunkt weitgehend beibehalten, obwohl keine Berichte über Untersuchungen vorliegen, die dieses Dokument wissenschaftlich und ein für allemal als Fälschung entlarven. Die einzige, vielen Forschern scheinbar nicht bekannte, seriöse Untersuchung fand 1911 in London statt, welche die bisherige ”Lehrmeinung” zur Gänze widerlegt. Von besonderer Bedeutung ist der Umstand, dass der englische Historiker Frederick J.W. Crowe kein Angehöriger irgendeiner jener zahlreichen, zumeist erst in unserer Zeit entstandenen sogenannten ”Templerorden” ist, die vergeblich nach ihren historischen Wurzeln suchen. Damit erscheint er absolut glaubwürdig und läuft auch nicht Gefahr, sich dem Vorwurf auszusetzen, bei seinen Analysen wäre ”der Wunsch Vater des Gedanken” gewesen. Außerdem ließ er sicherheitshalber seine Forschungsergebnisse von dem über jeglichen Verdacht erhabenen Archivar der Manuskriptsammlung des Britischen Museums, Sir George Warner, nachprüfen und bestätigen. Die Charta des Johann Larmenius ist demnach ohne jeden Zweifel keine Fälschung und somit das älteste im Original erhaltene Dokument des Templerordens nach seiner ”offiziellen” Aufhebung im Jahre 1312. Diese Urkunde könnte somit das lang gesuchte Bindeglied sein, zwischen dem alten Orden und der Zeit nach seiner Aufhebung.
(Quelle: Communitas-Saturni, Auszug aus Aufsätze/Templer)

„Die Charta des Larmenius ist eine plumpe Fälschung“

Ordre du Temple (frz.), Templerorden. Trotzdem der Konvent zu Wilhelmsbad, 1782, die Templerlegende der Strikten Observanz begraben hatte, hielten manche Gruppen von Freimaurern an ihr fest. Die ausgesprochen mystischen Charakterzüge der Nachrevolutionszeit taten ein Übriges, um die Legende immer wieder neu zu beleben. Um 1806 trat in Paris ein Neutemplerorden, Ordre du Temple, in die Öffentlichkeit, der von der Legende ausging, Baujeu, der Neffe des letzten Templer-Großmeisters, habe die Gebeine der auf dem Scheiterhaufen hingemordeten Brüder retten und unter einem viereckigen Stein beisetzen können. Die Pariser Neutempler bezeichneten sich nun als direkte Rechtsnachfolger des alten Templerordens und produzierten zu diesem Zwecke die vielgenannte, angeblich wiedergefundene Charta transmissionis des Larmenius, ein 1705 von dem Jesuiten Bonani hergestelltes, also gefälschtes Dokument, laut welchem Jacques de Molay vor seinem Tode Johannes Mareus Larmenius mit seiner Nachfolge betraut habe und auf dem alle Großmeister, von dem in Wahrheit ganz unbekannten Großmeister Larmenius (angeblich 1324) bis zum letzten Großmeister Fabré-Palaprat, mit Blut unterschrieben waren. Geleitet wurde der sich sehr katholisch gehabende neuerstandene Orden mit seinen Balleien, Prioreien, Abteien usw. von Großkonnetabeln, Großadmiralen, Großchambellanen, Großbannerträgern usw. Einmal jährlich zogen diese ehrsamen Bürgersleute zur Place Dauphine und feierten dort das Andenken der Opfer Philipps des Schönen.

Der Gründer dieses Templerordens war der als Großmeister auftretende und das johanneische Christentum als „Religion der alten Templer“ fordernde B. R. Palaprat, der sich späterhin Fabré-Palaprat nannte, seines Zeichens, nicht wie wiederholt angegeben wird, Arzt, sondern Hühneraugenoperateur (Chiropodist oder Pedikeur) war. Dass er jemals ein Doktordiplom besessen habe, konnte nicht festgestellt werden. Dagegen war er Mitglied einer Societe Medico-philanthropique, die mit beruflicher Medizin nichts zu tun hatte. Es muss Wunder nehmen, wie seine Anhänger glauben konnten, dass eine Ahnenreihe fürstlicher und ritterlicher Templergroßmeister gerade in dieser unbedeutenden Persönlichkeit ihre Auferstehung feiere.

Ihm war der auf die Pariser Tempelherren überkommene Templerschatz zu danken, der neben den Reliquien der verbrannten Templer auch Schwert und Sturmhaube des Großmeisters Jacques de Molay enthielt. Später fand Fabré-Palaprat auch die Bibel der Templer, eine griechische Sektiererausgabe der heiligen Schriften, die aber dann dem Orden zum Verderben werden sollte. Der Orden nahm nur Freimaurer auf, obzwar er mindestens die schottischen Hochgrade, in denen teilweise auch noch Templertraditionen gepflegt wurden, scharf ablehnte, indem er behauptete, Larmenius habe die „schottischen Templer“ als „Deserteure vom Orden“ mit dem Bann belegt, weil sie sich in ihre „Berge von Herodom“ zurückgezogen und den Templerorden hinter den von Robert Bruce gegründeten Distelorden des heiligen Andreas verborgen hätten. Die Pflanzschule des Ordens war eine von „Neo-Tempeliers“ beim Grand Orient de France gegründete und von diesem 1805 patentierte Loge, „Les Chevaliers de la Croix“, der der Herzog von Choiseul und zahlreiche Aristokraten angehörten.

Nachdem der Orden mehrere Jahre bestanden und großen Zulauf gefunden hatte, schlich sich der Zweifel unter die Ordensbrüder. Man munkelte allerlei über die Herkunft der verehrten verbrannten Knochen, man nannte die Namen der Ritter die sie für die Verehrung hergerichtet hatten, man erfuhr auch den Namen des Alteisenhändlers, bei dem die Waffen des Jacques de Molay erstanden worden waren. Und schließlich empörte sich ein Teil der Brüder gegen die schismatische Bibel, die mit den von der Kirche gebilligten und überlieferten Texten nicht übereinstimmte. Peinlich war auch, dass, wie sich herausstellte, auf der Charta transmissionis Großmeister unterzeichnet waren, die niemals existiert hatten und andere, von denen bekannt war, dass sie nicht hatten schreiben können. Und so saß der Wurm im Leibe des Ordens, dem er gegen 1845 erlag. Nach dem Tode des Großmeisters Fabré-Palaprat (1838) wurde der englische Admiral Sir William Sidney Smith Großmeister des Ordens, der ein goldenes Kreuz, dass Richard Löwenherz gehört habe, als Großmeisterabzeichen einführte. Noch zu Lebzeiten Smiths soll sich Dom Pedro, König von Portugal, um die Großmeisterwürde beworben haben, sein Anerbieten, dem Orden Grundbesitz und Ordenshäuser in Portugal einzurichten, soll aber abgewiesen worden sein weil sich der Orden seine demokratische Verfassung (!) bewahren wollte.

Nach dem Tode des Admirals Smith (1841) werden noch zwei Großmeister genannt: Jean Marie de Raoul, 1841 und Georg IV., König von Hannover. Mit diesen Überlieferungen steht allerdings im Widerspruch, dass die berühmte Charta transmissionis, die sich seit 1911 in England befindet, seit dem Jahre 1804 keine weitere Unterschrift mehr trägt (A.Q.C., 1912,80). Lantoine in seiner „Histoire de la Franc-Maçonnerie française“ überschüttet den Orden mit ätzendem Spott. Da er an anderen Stellen auf ganz gleiche Weise entstandene Hochgradsysteme verteidigt, ist sein Urteil ungerecht. Die Neutempler stützten sich auf die gefälschte Charta transmissionis des Larmenius. Die Tradition der Großen Konstitution Friedrichs des Großen ist nicht um ein Haar besser. Die Templer des Palaprat haben nur deswegen unrecht behalten, weil ihnen der Erfolg versagt war. Andere Freimaurertempler sind im Besitze, und glauben daher, im Recht zu sein.
Quelle: Internationales Freimaurer-Lexikon von Eugen Lennhoff und Oskar Posner, 1932)

Die Großmeister und Regenten des „modernen“ Templerordens

Jean-Marc Larmenius de Jerusalem
1314 –
1324
Francois-Thomas Thibault d’Alexandrie
1324 –
1340
Arnould de Braque
1340 –
1349
Jean de Clermont
1349 –
1357
Bertrand Duguesclin
1357 –
1381
Jean d’Armagnac
1381 –
1392
Bernard d’Armagnac
1392 –
1419
Jean d’Armagnac
1419 –
1451
Jean de Croy1451 –
1472
Regent Bernard Imbault
1472 –
1478
Robert de Lenoncour de Lorraine
1478 –
1497
Galeas de Salazar
1497 –
1516
Philippe de Chabot
1516 –
1544
Gaspard de Saulx et de Tavannes
1544 –
1574
Henry de Montmorency
1574 –
1615
Charles de Valois
1615 –
1651
Jacques Rouxel de Grancey
1651 –
1681
Jacques-Henry de Durfort, Duc de Duras
1681 –
1704
Philippe de Bourbon, Duc d‘ Orléans
1704 –
1724
Louis-Auguste de Bourbon, Duc de Maine
1724 –
1737
Louis-Henry de Bourbon, Prince de Conde
1737 –
1741
Louis-Francois de Bourbon, Prince de Conty
1741 –
1776
Louis-Hercules-Timoleon de Cosse, Duc de Brissac
1776 –
1792
Regent Claude-Mathieu Radix de Chevillon
1792 –
1804
Bernard-Raymond Fabre-Palaprat (1. Amtszeit)
1804 –
1813
Regent Charles-Antoine-Gabriel, Duc de Choiseul (1. Amtszeit)
1813
Regent Charles-Louis Le Peletier, Comte d’Aunay
1813 –
1827
Bernard-Raymond Fabre-Palaprat (2. Amtszeit)
1827 –
1838
Regent Charles-Antoine-Gabriel, Duc de Choiseul (2. Amtszeit)
1838
La Commission Executive du Convent General
1838
Regent Charles-Fortune-Jules Guigues, Comte de Moreton et de Chabrillan1838 –
1839
Sir William Sidney Smith
1839 –
1840
Regent Jean-Marie Raoul (1. Amtszeit)1840 –
1850
Regent Jean-Marie Raoul (2. Amtszeit)1850 –
1866
Regent Dr. A.G.H. Vernois
1866 –
1892
Regent Joseph Peledan
1892 –
1894
Secretariat International des Templiers
1894 –
1934
Conseil de Regence
1934 –
1935
Regent Theodore Covias
1935
Regent Emile-Clement – J. I. Vandenberg
1935 –
1942
Regent Antonio Campello Pinto de Sousa Fontes
1942 –
1960
Großmeister & Regent Dom Fernando Campello Pinto de Sousa Fontes1960 –
2018
Großmeister S.A.E. Frère Gérard Willery24.
Nov.
2018

Das Satorquadrat vs. Templerquadrat
„DER SCHÖPFER LENKT VERBORGEN die RÄDER der WELT!“

Die lateinische Wortfolge SATOR AREPO TENET OPERA ROTAS, genannt Satorquadrat, ist ein Satzpalindrom, das man als magisches Quadrat horizontal und vertikal, vorwärts und rückwärts lesen kann.

In Spätantike und Mittelalter erfuhr das Satorquadrat weite Verbreitung. Aufgrund der seltenen Eigenschaft, ein vierfaches Palindrom zu sein, wurden ihm magische Eigenschaften zugeschrieben; es gehört damit zu den verbreitetesten Zauberformeln des Abendlandes. Das Quadrat wurde auch dazu verwendet, um sich vor Seuchen und Unheil zu schützen. Aus der ersten Hälfte lässt sich der Wortlaut a paternoster o formen, was aber erst durch Autoren der 1920er Jahre beschrieben wurde und spirituellen Wert hat. Die fünf frühesten Beispiele (sie stammen aus dem ersten Jahrhundert nach Christus) sind spiegelbildlich überliefert, sie beginnen also mit dem Wort rotas: Eine Ritzung in eine Säule der Palästra in Pompeji, ein zweites Beispiel in Pompeji, weitere in Cirencester, Manchester und im Petersdom. Seit dem Mittelalter ist der Text in der heute bekannten Form überliefert.

DER SCHÖPFER (sator) LENKT (tenet) VERBORGEN (arepo, von repere=kriechen; a-repo: aus dem Weggekrochenen) die RÄDER (rotas=Räder) der WELT (opera)

Betrachten wir das Wort AREPO einmal auf seine Buchstabenfolge, sehen wir, dass sein erster und letzter Buchstabe A und O das Alpha und das Omega bezeichnet (wenn auch das griechische Schluss-O hier nur mit dem lateinischen O wiedergegeben ist), das auch in der Auflösung der quadratischen Anordnung der Buchstaben und ihrer Reihung in Kreuzform sichtbar wird, wobei die Kreuzform der Buchstaben ein zweimaliges PATER NOSTER ergibt.

„Der Feind (Satan) steht außerhalb des Kreuzes, umgibt es aber doch.“

Entgegen der Annahme vieler Templerfreunde, ist das Satorquadrat kein Templersymbol.

SATAN= Feind
ADAMA= Welt
TABAT= geben
AMADA = stehen
NATAS (natan)= geben

Der Charakter des Templerquadrates ist durchaus gnostisch und hält innigst Verbindung mit seinem Vorbild, dem Satorquadrat, das mit guten Gründen als gnostisches Erzeugnis angesehen wird. Hier lassen wir noch einen Deutungsversuch des Templerquadrates folgen, den Prof. Fernand Méresse, Valencienne, mitteilte:

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